Graf von Wolfstein

Die erste und zweite Linie der bayerisch-fränkischen Wolfsteiner gelten als ausgestorben. Die wenigen Wolfensteins, Wolfensteiner, Wolfstein u.a. sind untereinander nur namensverwandt. Die preußische bzw. böhmisch-habsburgerische (Österreich) Linie der Wolfensteins bestehen nach wie vor. Durch Abschaffung der feudalen Ständeordnung, vor allem die Restriktive in Österreich, entstand hier eine neue Sicht der Dinge. Dazu aber mehr weiter unten.

Den eigentlichen Namen 'Wolfstein' legte man sich erst später zu. Sie waren ein Dorfadelsgeschlecht aus Wettenhofen. Zu jener Zeit bestand der Adel aus zwei Gruppen: Die eine Gruppe war die Reichsritterschaft. Sie waren jene Ritter, die ihr Lehen vom König und/oder Kaiser erhalten hatten und nur ihm unterstanden. Die andere Gruppe war der "landsässige Adel" - auch Dorfadel genannt. Sie unterstanden nur ihrem Landesherrn. Viele Dorfadelige behielten ihren ursprünglichen Namen und hängten den Adelsnamen einfach an.


1217 wurde der Dorfadel von Wettenhofen vom Kaiser mit Sulzbürg und Umgebung belehnt. Alsbald errichteten die neuen Ritter von Sulzbürg die Burg Nieder-Sulzbürg, um vor allem die Machtstellung und das Verwaltungswesen zu manifestieren.

Die bestehende Burg Wolfstein bei Neumarkt kommt in die Hand Gottfrieds, eines Reichsministerialen aus dem nahegelegenen Sulzbürg. Sein Sohn Gottfried II. nennt sich und sein Geschlecht ab 1290 'von Wolfstein'. Zu dieser Zeit war die erste Linie der Wolfsteiner bereits ausgestorben. Die Ursprünge der Burg Wolfstein liegen im Dunkeln. Bereits um 1120 soll hier ein gewisser Ulrich von Wolfstein aus hochadeligem Geschlecht seinen Sitz gehabt haben, doch näheres weiß man nicht.

Über die Jahrhunderte finden sich verschiedene Schreibweisen für Wolfenstein in den zeitgeschichtlichen Dokumenten wider: Wolffstein, Wolfstain oder Wolfstein.

Oberster Lehnsherr war der jeweilige oberste Landesherr, König oder Herzog, der Lehen an seine Fürsten vergab. Diese konnten wiederum Lehen an andere Adelige vergeben, die sich von ihnen belehnen lassen wollten und oft in der Adelshierarchie unter dem Lehnsgeber standen. Auch in anderen Kulturen, insbesondere in Japan (vgl. mit der Han des Shogun für die Lehen und Samurai für die Lehensmänner) entstanden Strukturen, die sich mit dem europäischen Lehnswesen vergleichen lassen.

Gottfried I. hat 1242 zusammen mit seiner Frau Adelheid von Hohenfels das Frauen-Zisterzienserkloster Seligenporten (15 km westlich von Neumarkt) als Grablege gegründet. In der gotischen Klosterkirche, die für ein Dorf dieser Größe riesige Ausmaße hat, sind noch Grabsteine und Totenschilde der Wolfsteiner zu sehen, darunter die Epitaphen Gottfrieds II. (+ 1302), seines gleichnamigen Sohnes (+ 1322) und eines Konrad von Wolfstein, wahrscheinlich ein Bruder Gottfrieds. Konrad trägt die typischen Ritterinsignien Schwert, Kettenrüstung und Schild, zudem riesige, sternförmige Sporen. Sein Schild trägt das Wolfsteiner Wappen, ein gehender über einem aufrecht stehenden Löwen. Über die Familiengeschichte des Konrad von Wolfstein weiß man nichts näheres.

Als Nachlass des Grafen von Hirschberg gelangt 1305 Allersberg an den Bischof von Eichstätt, von diesem als Lehen an die Herren von Wolfstein. Heute erinnert vor allem noch die 1339 durch Leopold und Albrecht von Wolfstein errichtete Hospitalstiftung 'Wolfsteiner Altenheimstiftung'.

Kaiser Karl IV. (König von Böhmen) bestätigte und bekräftigt 1353 den Herren von Wolfstein das Lehen und den Verwaltungsauftrag. Ebenso wurde der Neubau des Schlosses Ober-Sulzbürg beschlossen.

1362 erhielten die Wolfsteiner Grafen das Dorf Mühlhausen vom Kaiser Karl IV. als Lehen.

Im 14. Jahrhundert bildeten sich zwei Linien heraus, unter denen auch die Burg Wolfstein aufgeteilt wird. Ein kaiserliches Privileg von 1414 sicherte beiden die hohe Gerichtsbarkeit.

1522 wird das Geschlecht der Wolfsteins auf Ober-Sulzbürg durch Kaiser Karl V. zu Reichsfreiherren erhoben.

1618-1648 herrschte Große Not durch den 30jährigen Krieg. Etwa 80% der Bauernhöfe und Häuser sowie Landwirtschaft war zerstört.

Das Geschlecht der Wolfenstein wird 1673 vom Kaiser Leopold I. zu Reichsgrafen erhoben. Die Wolfsteins besitzen nun inzwischen u.a. die Burg Wolfstein bei Neumarkt, die Burgen in Allersberg und Pyrbaum.

1703 erlangt Philipp Friedrich Graf von Wolfstein zu Pyrbaum durch Heirat den Besitz von Schloss Trautskirchen.

1740. Durch den Tod des Grafen Christian Albrecht endet die Sulzbürger Linie derer von Wolfstein. Das Territorium wird als erstes geschlossenes protestantisches Gebiet dem katholischen Kurfürstentum Bayern einverleibt und getrennt verwaltet.

Wolfstein oder Wolfenstein? Das ist hier die Frage. Die verschiedenen möglichen Schreibweisen führen zu Verwirrungen. Im Siebmacher Wappenbuch steht für Wolf(en)stein der Name "Wolffstein" geschrieben. Im Scheiblersche Wappenbuch "Woffstain" und im Eichstätter Dom auf dem Seckendorff-Altar ist "Wolfstain" vermerkt.  Auch Wolfenstayn ist historisch belegt. Durch die verschiedenen Schreibweisen rückt die Tatsache in den Hintergrund, dass das Wolf(en)stein Geschlecht der preußischen bzw. Opens external link in new windowböhmisch-habsburgerischen Linie im Mannestamm nicht erloschen ist.

De facto ist mit Inkraftreten der Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 die feudale Ständeordnung abgeschafft. Das System des Adelsstandes hat sich selbst überlebt. Dennoch versuchen einige Nachkommen eines einstmal adeligen Standes sich durch fragwürdige Weiterbelebungsrituale weiterhin gegenüber vermeintliche Nichtadeligen zu überheben, indem sie den eigentlich nicht mehr existierenden Adelstitel, der nunmehr nur im Familiennamen geführt wird (nur in Deutschland, nicht in Österreich), weiter als exklusive Eigenschaft und exklusives Recht zu betonen. Das aber ist falsch. Man möchte manchmal meinen, dass bewußt in die Irre geführt wird, um auf etwas hinzuweisen, was nicht mehr gibt. Adel ist Geschichte.

Viele vermeintliche Adelige in Deutschland sind schon lange kein Adel im klassischen Sinne mehr. Auch vermeintliche Adelige, die einen Adelstitel als Künstlernamen tragen, entsprechen nicht den Überlieferungen.

Wer aus traditionellen Gründen oder romantischen Zügen einen Adelstitel trägt, sollte zumindest geschichtlich, historisch oder kulturell einen Bezug dazu haben. Wer einen Adelstitel nur dazu trägt, um ohne größeres Hintergrundwissen aufzufallen, wird sich über kurz oder lang keinen gefallen tun. Ein Adelstitel aus künstlerischen Aspekten oder ein romantischer Bezug zur Geschichte kommt sicherlich gut. Man sollte nur nicht zu dick auftragen ;o)

 

 
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