Alfred Wolfenstein wurde am 28. Dezember 1883 in Halle an der Saale geboren und verstab am 22. Januar 1945 in Paris.
Er war ein expsessionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer.
Alfred Wolfenstein zog mit seiner Familie 1901 nach Berlin, wo er auch studierte. 1915 wurde er Gerichtsreferendar, 1912 erschien sein erstes Gedicht.
Alfred Wolfenstein heiratete 1916 Margarete Rosenberg. Unter ihrem Künstlernamen Henriette Hardenberg ist sie eher bekannt. 1930 zerbrach die Ehe.
Er gab mit dem zweibändigen Werk "Die Erhebung" (1919/1920) die wichtigste theoretische Sammlung der expressionistischen Bewegung heraus.
1930 erhielt er für seine Rimbaud-Übersetzungen den ersten deutschen Übersetzerpreis.
Am 22. Januar 1945 beging er Selbstmord in Paris. Sein wohl bekanntestes Gedicht Städter erschien im Jahre 1914:
In diesem Gedicht behandelt Wolfenstein, der beim Erscheinen dieses Gedichts in Berlin lebte, das Thema Großstadtanonymität.
In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich, wie eng er die Fenster der Häuser gereiht sieht.
Dicht wie Löcher eines Siebes stehn
Fenster beieinander, drängend fassen
Häuser sich so dicht an, daß die Straßen
Grau geschwollen wie Gewürgte stehn.
In der zweiten Strophe wird das Innenleben einer Straßenbahn geschildert.
Ineinander dicht hineingehakt
Sitzen in den Trams die zwei Fassaden
Leute, wo die Blicke eng ausladen
Und Begierde ineinander ragt.
In der dritten Strophe werden die dünnhäutigen Wände beschrieben.
Unsre Wände sind so dünn wie Haut,
Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.
Flüstern dringt hinüber wie Gegröhle:
In der vierten Strophe wiederum bezeichnet der Autor die Unterkünfte der Stadtmenschen als "abgeschlossne Höhle"
Und wie stumm in abgeschlossner Höhle
Unberührt und ungeschaut
Steht doch jeder fern und fühlt: alleine.
Quelle: u.a.
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